Rheinische Post , 10.03.2008

 

Hoch im Kurs stehen Gitarre und Schlagzeug
VON RUTH ORTLINGHAUS

Heiligenhaus (RP) Genau vor einem Jahr wurde das völlig
renovierte Jugendstilhaus als "eine optimale Lösung"
übernommen. Beim Ansturm der vielen Besucher platzte es
allerdings aus allen Nähten. Unter sachkundiger Anleitung der Lehrer durften Kinder im Beisein ihrer Eltern Instrumente ausprobieren. Das wurde eifrig genutzt.

Verena, bereits eine eifrige Flötistin, faszinierte das Akkordeon, kam dann aber zu dem Entschluss: "Ich will doch lieber erst perfekt das Flöten lernen". Michele versuchte, der Klarinette Töne zu entlocken. Die Zehnjährige wusste schon lange "das ist das Instrument meiner Wahl". Sie steht bereits auf der Warteliste. "Aber die Klarinetten sind noch alle besetzt", äußert sie resignierend. "Wir verfügen über 350 Leihinstrumente, können damit nicht alle Wünsche sofort erfüllen", informiert Claudia Krausse.

So sind Wartezeiten programmiert, vor allem beim Schlagzeug und der Gitarre. Das große Interesse für diese Instrumente zeigte sich auch beim Probiernachmittag. Sie waren ständig dicht umlagert. Pädagoge Kai Angermann trug Ohrstöpsel, denn für die Kinder war es eine ungetrübte Lust, lautstark die Schlegel auf die Becken zu schlagen. Geduldig ließ Gitarrist Christopher Thomas die Kinder die Saiten zupfen, erklärte ihre Funktion. Aber auch die noch kratzenden Töne der Violinen, Cellos und des Kontrabasses schreckten die Kleinen nicht zurück. Viele entschieden sich für ein Saiteninstrument. So häuften sich die Anmeldeformulare im Sekretariat, wo Eva Homann sachkundig Auskunft gab. Auch hier mussten Wartezeiten in Kauf genommen werden.

Dessen ist sich auch der rührige Förderverein bewusst. Er finanziert unter anderem Kauf, Überholung und Reparatur der Instrumente. Mit leckeren Waffeln und Getränken versuchten Mitglieder, die Finanzen aufzubessern. "Fördern statt Fordern" lautet das Motto. Wobei das "Fördern" dringend notwendig ist. Die Musikschule ist auf freiwillige finanzielle Zuwendung der Stadt angewiesen, aber die Kassen sind leer.