Rheinische Post , 8.12.2008

 

Hier spielt die Musik
VON RUTH ORTLINGHAUS

Heiligenhaus (RP) Alle Jahre wieder stimmt die Musikschule
an zwei Tagen mit bis zu 300 Schülern vor jeweils
ausverkauftem Haus auf die Weihnachtszeit ein. Es gab
jede Menge Hörgenuss in der Aula des Immanuel-Kant-Gymnasiums.

Auch am Wochenende gab es begeisterte und lautstarke Ovationen für beachtliche Leistungen, ein abwechslungsreiches Programm in kleinen und großen Ensembles mit stimmungsvollen Klangbildern aus Klassik und reizvollen modernen Werken abendländischer und amerikanischer Komponisten. Das zeigte einmal mehr, wie der Bildungsauftrag und Stellenwert musikalischer Erziehung von einem engagierten Lehrkörper zur lebendigen Realität werden, immer im fundierten Kontext von Theorie und Praxis, im faszinierenden Mixed von Klassik und Moderne.

Weihnachtliche Melodien vom 16. bis zum 20. Jahrhundert standen im Mittelpunkt. Kleine Weihnachtswichtel gaben einen Einblick in die tänzerisch-rhythmisch-musikalische Früherziehung. Zarte Kinderstimmen bezauberten mit adventlichen Melodien moderner Autoren. Die „Choristinnen“ sangen, verstärkt durch die „Spatzengruppe“ vom Liedermacher Jöker, das melodiöse „Knospen springen auf“, wagten sich mit Hilfe des Gitarrenensembles an das barocke italienische Tanzlied „An hellen Tagen“ (Gastoldi). Drei junge Solistinnen überzeugten mit schönen Stimmen in einem Weihnachtspotpourri. Vivaldis festliche Klangpracht spielte das Zupfensemble in einem Allegro (Peer Gynt) farbreich heraus und treffend auch John Lennons „Happy Xmas“. Auffallend war der gekonnt fantasievolle und bereichernde Einsatz artfremder Instrumente in den Standardensembles wie in der Gitarrengruppe. Sie intonierte in klangvoller Tonmalerei, unterstützt von Akkordeon, Violinen und Keyboard den von der kalifornischen Band „Eagles“ preisgekrönten Hit „Hotel California“. Schlagzeug und Flöten gaben dem Akkordeonorchester völlig neue faszinierende Klangschichtungen, hörbar in europäischen Weihnachtsliedern und „Time of my Life“ (Previte).

Homogen ausgelotet begeisterte das Sinfonieorchester mit Klassikern von Grieg und Corelli. Die gewohnt musikalische Strahlkraft leuchtete erneut auf im Blasorchester mit dem Weihnachtsevergreen „Feliz Navidad“ und Menkens „Aladdin“. Im jazzigen Spannungsfeld brillierte das Saxophonquintett „Swinxxxxx“, erfreute das Schlagzeugensemble mit dem Minimal (Töpfe und Stöcke) in Reichs „Clapping Music“. Mit Biss und tollem Fortissimo intonierte ein Percussion-Quintett Sebastian Pagel. Hits von Miles, Williams und Rosa aller Ensembles beendeten fulminant den Hörgenuss in erfrischender Musizierfreude.