WAZ , 10.02.2011

 

Jugend musiziert
Ticket nach Münster
VON PETRA TREIBER

Heiligenhaus (WAZ)

Eine gebrochene Hand beim Snowboarden machte Anfang 2010 die Teilnahme bei "Jugend musiziert" zunichte – und eigentlich sollte Nikola Anicic auch pausieren. "Doch dann kam die Einladung für Gitarre Popularmusik und daran hängt nun mal sein Herz. Also habe ich ihn doch gefragt", erzählt Christopher Thomas, Musikschulleiter und Gitarrenlehrer des Zwölfjährigen. Der Junge stieg begeistert in die Probenarbeit ein.

Mit Erfolg. In Hilden trat Nikola Ende Januar im Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in der Altersklasse 3 an und überzeugte die Jury mit seinem Spiel: 24 von 25 möglichen Punkten vergab sie (die WAZ berichtete). Diesmal war der erste Preis zugleich das Ticket für den Landeswettbewerb in Münster.

Vor zwei Jahren hatte das Heiligenhauser Talent schon einmal im Solo-Gitarrenwettbewerb vorgespielt und 21 Punkte eingeheimst. „Für die Weiterleitung an den Landeswettbewerb war er damals aber noch zu jung“, erläutert Christopher Thomas, der den Eleven seit 2006 unter seine Fittiche genommen hat.

„Ich war schon sehr aufgeregt“

„Schon sehr aufgeregt“ sei er gewesen, berichtet der Siebtklässler des Immanuel-Kant-Gymnasiums von seinem zweiten Auftritt vor der „Jugend musiziert“-Jury. Das Lampenfieber beflügelte offenbar den Vortrag: Die ausgewählten drei Stücke aus verschiedenen Epochen trug er nahezu fehlerfrei vor.

Ausgewählt hatte er „Classical Gas“ von Mason Williams in einer Interpretation von Eric Clapton und „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin sowie „The crush of Love“ von Joe Satriani (E-Gitarre). Eine Kostprobe seines Könnens bot Nikola kürzlich dem ersten Beigeordneten Michael Beck als zuständigem Dezernenten. „Echt cool!“ zeigte der sich begeistert und überreichte dem IKG-Schüler als kleine Anerkennung der Stadt einen Bücher-Gutschein. „Dafür gibt’s auch Noten, habe ich mir sagen lassen!“, feixte Beck.

Notenblätter geben Sicherheit

Notenblätter, die gaben dem Zwölfjährigen Sicherheit beim Vorspielen in Hilden. „Doch diese drei Stücke kann er auswendig“, weiß Musiklehrer Christopher Thomas. Und in Münster soll er das durchaus zeigen. Doch auch an feinen Variationen wird noch bis zum Termin im März gefeilt. „Bei Popularmusik darf man interpretieren, klassische Stücke muss man im Wettbewerb so spielen, wie sie sind.“

Die nächsten Wochen wird wieder intensiv geprobt, Fußball und Tennis, Freunde treffen – das muss zurückstehen. Wie sieht das die Familie? Mutter Tatjana Anicic: „Wir unterstützen ihn in allem. Und die Zusammenarbeit mit der Musikschule klappt hervorragend.“ Angefangen hatte es damals mit der Musikalischen Früherziehung in der Heiligenhauser Einrichtung. Wie seine ältere Schwester Ivana (Violine) zeigte sich der damals Fünfjährige sehr interessiert und begabt. Beim Instrumentenkarussell (mehrere Wochen probieren die Kinder verschiedene Instrumente aus) brauchte er nicht lange zu überlegen – die Gitarre sollte es sein und auch bleiben.

Trotzdem: Die schulischen Leistungen dürfen nicht unter den täglichen Proben leiden, findet Tatjana Anicic. Darauf achtet nicht zuletzt Musiklehrer Thomas und probt mit Nikola und noch drei weiteren musischen Talenten im IKG. „Es fällt bei diesem Drehtürmodell immer nur eine Unterrichtsstunde aus, und zwar jede Woche eine andere. So verpassen die Schüler nichts.“