RP, 16.03.15 - zum Tag der Offenen Musikschule

 

Hier pauken Schüler mit Vergnügen

Gitarre, Geige und Schlagzeug führen weiterhin die Hitliste der Instrumente in der Musikschule an. Es gibt Wartelisten.

Etwas zögerlich nähern sich die Brüder Denis und Devin dem bauchigen Instrument am Fenster. Der Übungsraum der Musikschule ist angefüllt mit Schlaginstrumenten, Xylophonen und einem Klavier. Doch jetzt liegt ein Musikinstrument in ihrem Fokus, das klanglich eine enorme Wucht entfalten kann. Musiklehrer Kai Angermann drückt beiden zwei Schlägel in die Hand und gibt den Startschuss: Doch die beiden Brüder probieren ganz vorsichtig aus, was die Schlägel in ihrer Hand auf dem Trommelfell so für Klänge hervorzaubern. Sie trommeln, lauschen und grinsen. So richtig "Also sprach Zarathustra"-mäßig drauf zu hauen, auf die Pauke, das trauen sich die beiden nicht.

Doch die Augen strahlen und der Spaß ist offensichtlich. Weiter geht's für die beiden zum nächsten Instrument: dem Gong. "Die beiden lernen bereits Geige und Gitarre. Doch der große Traum ist immer noch das Schlagzeug", erzählt die Mutter des musikalischen Brüder-Duos. Ihr ist es wichtig, dass sie Instrumente spielen. "Das Üben auf dem Schlagzeug wäre sicherlich auch für die Nachbarn eine echte Herausforderung", schmunzelt sie. Doch die Warteliste für den Schlagzeug-Unterricht ist lang. Wie auch für die Geige und die Gitarre. Bei den Bläsern ist und bleibt es übrigens das Saxofon, das beliebt ist wie eh und je. "Es sind die Instrumente, die auch solistisch am ehesten herausstechen. Die Instrumente also, die man heute am ehesten mitbekommt, weil sie in der Popularmusik eben am offensichtlichsten sind", sagt Schulleiter Christopher Thomas. "Eine Stunde Waldhorn gibt es dafür nun aber wieder sofort."

Wobei Warteliste in dem Falle nicht ganz die richtige Bezeichnung ist; es gibt sie zwar, doch nicht zuletzt entscheidet auch die verfügbare Zeit der Schüler über die Musikstunde. "Die Kinder sind heute schulisch so stark eingespannt, dass ich manchmal die ersten 20 bis 30 Kandidaten der Warteliste abtelefoniere und keiner Zeit hat für die Stunde, die ich anzubieten habe", sagt Thomas, der Gitarre unterrichtet. Er gehört zum Triumvirat an der Musikschulspitze, an der derzeit 850 Musikschüler das musikalische Handwerk von Grund auf von 17 Lehrern an die Hand bekommen. Drehtür-Modelle, wie mit dem Kant-Gymnasium, sowie Angebote speziell für die Erstklässler ergänzen das Angebot.

"Beim Drehtür-Modell bekommen die Schüler ihre Stunde vormittags, während der Schulzeit. Da haben sie noch keinen langen Schultag hinter sich und lernen ganz anders." Thomas macht sich auch Gedanken über die beste Lernmethode für ein Musikinstrument. Das sei das Zusammenspiel zwischen Eins-zu-Eins-Unterricht, aber auch das gemeinsame Spiel im Orchester und Ensemble sei nicht unerheblich für den Lernprozess." Eben die Orchester- und Ensemblearbeit wird weiterhin großgeschrieben. Nachdem das Angebot der Musikflöhe wegfällt (wird weiterhin bei der benachbarten VHS angeboten) wurde zum Beispiel die Blockflöten-Arbeit ausgeweitet."

Das ist eine sehr gute Basis für die Musikschüler", findet der Gitarrist. Den Blick in die Zukunft der Musikschule geht der Schulleiter aber optimistisch an, trotz klammer Haushaltskasse der Stadt. "Wir haben natürlich mit Spardruck zu kämpfen", sagt Thomas. Er ist überzeugt, dass die Politik hinter der Musikschule steht. "Sonst hätten wir das sicher schon viel deutlicher zu spüren bekommen."



Sandra Kreilmann