WAZ, 16.03.15

 

 

Tag der offenen Musikschule in Heiligenhaus

WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth macht beim Tag der offenen Musikschule in Heiligenhaus den Selbstversuch. Für eine steile Karriere als Musikerin ist es aber wohl zu spät?.?.?.

Über die Bühne springen wie ACDC-Wirbelwind Angus Young, gefühlvolle Vibratos zaubern wie Eric Clapton oder die Felle dreschen wie Phil Collins – in ihren Träumen ist WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth bereits eine talentierte Musikerin, doch die Realität sieht anders aus. Ein Besuch bei der „offenen Musikschule“ und ein ausführliches Beratungsgespräch sollen das ändern.

Die Mitinteressenten gehen mir bis knapp über die Hüfte und sind um einiges jünger. Haufenweise Kinder toben sich an den Instrumenten der Musikschule aus und ich mitten drin. Kleine flinke Finger, kindliche Neugier und eine musikalische Früherziehung in Schule oder Kindergarten – so langsam beschleicht mich das Gefühl, die Garten AG in der Grundschule war der falsche Grundstein für eine erfolgreiche Musikerkarriere.

„Das Alter spielt keine Rolle, wenn man ein Musikinstrument lernen will“, beruhigt Gitarrenlehrer Christopher Thomas, „Erwachsene lernen nur langsamer und sind viel ungeduldiger als Kinder.“ Stimmt. Am liebsten würde ich bereits nach zwei Stunden Gitarrenunterricht so spielen können wie Angus Young.
Gitarre und Schlagzeug sind beliebt

„Jedes Instrument hat seine eigenen Schwierigkeiten. Aber es gibt Instrumente die anfangs leichter sind“, erklärt Musikschulleiter Andreas Dietrich. Mein Favorit zählt allerdings natürlich nicht dazu. Gitarrensaiten können gerade bei ungeduldigen Anfängern den Geduldsfaden auf eine harte Zerreißprobe stellen. Tasteninstrumente hingegen vermitteln dem Spieler ein schnelles und vor allen Dingen deutlich hörbares Erfolgserlebnis. Außerdem „sind Gitarre und Schlagzeug sehr beliebt. Es sind die Instrumente, die ständig präsent sind und deshalb gibt es lange Wartelisten“, sagt Dietrich. Hier gilt: Anmeldung unverbindlich ausfüllen und auf einen freien Platz warten.

Bluesmusik ist nicht an ein Instrument gebunden und so bin ich auch völlig offen für neue Vorschläge. Probieren wir es also mal mit dem monochromen Tasteninstrument. Links neben zwei schwarzen Tasten liegt der Grundton C. „Hier platzieren Sie mal den Daumen ihrer rechten Hand“, fordert mich Dietrich auf. Prompt der erste Fauxpas – der Unterschied zwischen links und rechts war noch nie meine Stärke. Die richtige Hand in Position gebracht, suchen sich die restlichen vier Finger einen Platz auf der jeweils nächsten weißen Taste. Das Handgelenk kippt dabei nicht nach unten weg.

„Wenn Sie mit fünf Fingern am Computer arbeiten, dann fällt es Ihnen leichter, die Tasten nun nacheinander zu drücken“, weiß Dietrich. Das Problem – ich bin einer dieser „Ein-bis-zwei-Finger-Schreiber“. Beim Klavier bedeutet es allerdings, dass die restlichen Greifer nicht geschmeidig über die Tasten fliegen. Üben, Üben, Üben ist die Devise. „Eine halbe bis dreiviertel Stunde am Tag sollten es schon sein“, findet Gitarrenlehrer Thomas. Wer diese Zeit nicht erübrigen kann, wird schnell frustriert sein, weil die Fortschritte auf der Strecke bleiben. „Man beschäftigt sich immer mit etwas, dass man nicht kann. Wenn man es dann geschafft hat, kommt das Glücksgefühl und alles fängt von vorne an“, beschreibt Thomas. Bevor ich also meinen inneren – und offensichtlich unmusikalischen – Schweinehund nicht für tägliches Training überwinden kann, liegt meine Musikerkarriere wohl noch auf Eis.

Kirsten Gnoth

 

 

Es wurde ein "runder, schöner Nachmittag", wie Margot Richter fand. Mit der Melodie von "Jesus Christ Superstar" wurde das Weihnachtskonzert beendet.