WAZ, 16.12.2013

 

Weihnachtsengel in Nöten auf der Heiligenhauser Aula-Bühne

Musikschulkonzert in der Kant-Aula war wieder ein Erfolg. Ein Musical bildete den Höhepunkt des zweiten Teils. Zuvor herrschten dunklere Töne vor. Eine Konzertbesprechung.

Durch erstaunlich dunkle und mysteriöse Musikauswahl erfreute am Samstag das diesjährige Konzert der Musikschule; und es machte den musikalischen Abend, auf dem die Musikschüler ihre Errungenschaften zeigen konnten, nicht uninteressanter.

Die erste Hälfte in der wie immer ausverkauften Aula galt den Instrumenten und dem Kinderchor: Tschaikowskis schleichiger und ironisch-hintergründiger Nussknacker-Suite (Blasorchester) gingen zwei ernste, keltisch anmutende Stücke voraus: „The Moon of Winter“ und „Lion’s Pride“, mit Streichern, Akkordeons u.v.m. vertont vom Fantasyorchester.

Ergreifendes aus „Les Misérables“

Auch der Block des Kinderchors verblieb mit dem feierlichen „Alle Jahre wieder“, dem traditionellen „Angels guard us“ und dem klar und spannungsvoll gesungenen „Maria durch ein Dornwald ging“ in ernsteren Gefilden. Als gelungener musikalischer Scherz kam da die „Clapping Music“ des Schlagzeugensembles daher. Eins nach dem anderen kommen fünf unterschiedlich hohe Klanghölzer auf die Bühne und entwickeln aus einem Grundrhythmus ein immer komplexeres Auseinander- und Zusammenfallen, bis sie in einem Terminator-ähnlichen Geklopfe enden. Ähnlich rhythmisch blieb es, als das Gitarrenensemble mit verlässlich groovendem Bass Peter Gabriels „Solsbury Hill“ zupfte.

Zum Abschluss der ersten Konzerthälfte wurde es episch. Alle Orchester gaben alles, um ergreifende Themen aus „Les Misérables“ darzubieten. Davor blies das Blasorchester Batmans Einzug des „Dark Knight“: In die erwartungsvolle Stille des Publikums tuscht der Tod, dann Trauer, Zusammenstehen, die Gemeinschaft wird von einem merkwürdigen Rhythmus herumgeworfen, bis ein neuer, heroischer Takt ihn überdeckt, da kommt jemand Neues ins Spiel, und als am Ende wieder der Todestusch erklingt, hat es etwas Befreites, denn nun hat es den Bösewicht getroffen.

In der zweiten Hälfte brachten die Sänger und Instrumentalisten mit vereinten Kräften das Musical von den verlorenen Weihnachtsgeschenken (Text und Noten: Ulrich Pietsch) auf die Bühne. Darin soll der kleine Weihnachtsengel Mia (Lisa Hirsch), der (wie die Erzählerin Pia Mundorf erzählt) zum ersten Mal dabei ist, Geschenke zur armen Anna (Katharina Hahn) bringen, die mit ihrem brummigen Opa auf einem Bergbauernhof wohnt und hart arbeitet. Stark: wie Anna zu chinesisch klingenden Quintparallelen „Ach, ich bin ein armes Kind“ singt. Leider verhagelt ein Meteoritenregen einen Teil der Geschenke, außerdem muss Mias Schlitten eine Wildschweinstampede überstehen, und angesichts eines anderen armen Mädchens auf Feuerholzsuche überkommt Mia die Freigebigkeit, so dass sie ohne Geschenke dasteht. Doch am Ende singen alle, auch die Zuschauer, „Wunderschöne Weihnachtszeit“. Musik versöhnt eben.

Fabian May