Rheinische Post, 17.12.2012

 

Publikum feiert Musikschüler zweimal

Die jungen Musiker ernteten Ovationen für ihre Auftritte. Der Musikschule selbst steht 2013 tiefer Wandel bevor.
Stehende Ovationen für zwei schwungvoll modern angelegte Weihnachtskonzerte der Musikschule in der Kant Aula. Begeisterung pur und Anerkennung gleichermaßen für Lehrende und Lernende - wie so oft beim Konzertieren in den 43 Jahren ihres Bestehens. Annähernd 300 der rund 630 Schüler von zwei bis 60 Jahren entführten mit Können, Präzision und ansteckender Musizierfreude in die musikalisch weihnachtliche Wunderwelt.

Wieder zeigte das hohe Niveau, wie der Bildungsauftrag von einem engagierten 17köpfigen Lehrerteam im fundierten Kontext von Theorie und Praxis erfolgreich vermittelt wird. Internationale, klassisch-populäre Melodien wie "Jingle Bells" zogen wie ein roter Faden durch poppige und rockige Evergreens. Schon die neun zurzeit existierenden Ensembles, im und vor dem Bühnenraum platziert, boten vor glitzernden Sternenbahnen ein stimmungsvolles Bild.

Während des Konzertes wurde die Devise "Musik ist mehr als Noten" des leitenden Teams mit Andreas Dietrich, Claudia Krausse und Christopher Thomas sicht- und hörbar. "Musik ist mehr als Noten basiert für uns auf der Erkenntnis, dass gerade das Spielen eines Instrumentes wie kaum ein anderes Medium Intelligenz, Konzentrationsfähigkeit, Persönlichkeitsbildung und das Selbstbewusstsein fördert, musizieren in Gruppen fordert soziales Verhalten, Disziplin und Toleranz", hebt Andreas Dietrich im Gespräch noch einmal den pädagogischen Auftrag hervor. Souverän, ob als Moderator oder Dirigent, führte er durch das Konzert. Wie eine Aufforderung klang das anfangs gemeinsam gesungene Lied "Ihr Kinderlein kommet". Die Kleinsten, die Spatzengruppe, der Kinderchor und die Vorschulkinder der musikalischen Früherziehung strömten in Scharen auf die Bühne. In klarer Artikulation und klangreinen Melodien ertönten moderne weihnachtliche, kindliche Traditionals. Die Allerkleinsten wurden mit ihrem Paartanz "Jingle Bells" wie jedes Jahr zum Augenschmaus. Das junge Celloensemble griff den roten Faden des Glockenklangs (Jingle Bells) auf, verknüpfte es mit einem kleinen Weihnachtslieder-Mix in sauberen Klangfarben. Die große Blockflötengruppe erfreute ebenfalls mit weihnachtlichen Traditionals.

Sehr sauber zupfte das Gitarrenensemble moderne Kompositionen des Gitarrengenies Haan J. Teuchert, setzte prägnante Akzente im berühmten "Blackbird" der Beatles. Im reizvollen Wechsel mit den kleinen Ensembles boten die großen Orchester mitreißende Rhythmen in schön geschlossenem Sound. So das atypische orchestrale "Ensemble Surprise" mit Vangelis " Charlots of Fire" und Songs der britischen Pop-, Soul- und Jazzikone "Adele" mit "Someone like you" und "Set Fire to the Rain".

Das Fantasieorchester mit vorwiegend Streichern und Akkordeons glänzte mit den Arrangements "Dancing Queen" der dänischen Band "Abba" und Melodien aus den Film-Weihnachtsklassikern "Der kleine Lord" und "3 Nüsse für Aschenbrödel".

Das Blasorchester bestach mit klangreichen Intonationen in rockiger Strahlkraft und gewaltiger Percussionsbereicherung. So in Kompositionen von Rob Romeyn, dem "National Treasure" des südafrikanischen Rockmusikers Rabin und dem Soundtrack "Axel. F" zum Film "Beverly Hills". Das noch junge Schlagzeugensemble überzeugte in prägnanten Rhythmen mit "Mandigno Festival" von Charles Blackridge und einer sehr melodischen Eigenkomposition des Schlagzeugers Amman.

Fulminant in bester Ab und Übereinstimmung spielten alle Orchester Musik aus "Fantasy-Filmen" und das berühmte "Weihnachtsfest" von Leroy Anderson, ein internationales Medley. Anhaltende Ovationen. Und die Perspektive für das Jahr 2013? "Der Abgang von zwei Jahrgängen durch das Abitur hinterlässt Lücken gut ausgebildeter Instrumentalisten und wird einschneidend für uns sein. Wir hoffen, dass einige Studenten uns weiter treu bleiben, damit wir unser Niveau halten können", betont Dietrich besorgt. Außerdem wird eine kleine Gebührenerhöhung unerlässlich sein.



Von Ruth Ortlinghaus