Rheinische Post , 18.02.2011

 

Zum Trommeln ist man nie zu jung
VON SANDRA KREILMANN

Heiligenhaus (RP)

Bei den Musikflöhen, einem im Januar neu gestarteten Kursus der Musikschule, gehen Kinder gemeinsam mit Eltern oder Großeltern auf Entdeckungsreise in die Welt der Musik. Die Nachfrage ist groß. Überhaupt ist die Warteliste für Musikunterricht in Heiligenhaus lang.

Ganz leise wird es im Turnraum der Musikschule, die Musikflöhe warten gespannt. Gleich soll's los gehen. Noch bevor die wöchentliche Stunde startet, erklingt aus dem Nebenraum Klaviermusik. Das gehört zwar nicht zum Musikfloh-Programm, erzielt aber ebenfalls große Wirkung bei den jungen Heiligenhausern. "Schön", finden das die Jüngsten der Musikschule am Südring. Die Zwei- bis Vierjährigen besuchen mit jeweils einer vertrauten Begleitperson den Kursus.

Es geht rund – buchstäblich

"Das können Mütter, Väter oder die Großeltern sein, sogar eine Tagesmutter ist momentan dabei. Wichtig ist nur die emotionale Verbindung zum Kind", sagt Kursleiterin Monika Synoracki. Heute sind nur Mütter da, mindestens so begeistert wie die Kinder. Es geht für alle buchstäblich rund in diesen 45 Minuten. Im Begrüßungslied werden Louis, Tim, Ben, Luka, Robin, Clara und Laura singend begrüßt. Dann wird getanzt, um die Stühle oder einmal um den ganzen Stuhlkreis, dazu wird gesungen, wie zum Beispiel "Spiel mit mir zusammen". Es wird aber auch geklatscht, getrommelt und viel gelacht.

Entspannungsphasen gehören ebenfalls dazu. Feste Rituale und kleine Überraschungen wechseln sich ab. Momentan gibt es 23 Musikflöhe in zwei Gruppen. Die Nachfrage ist groß. Als "Entdeckungsreise in die Welt der Musik" wird der Kursus angekündigt, aber eigentlich ist er viel mehr. "Das Programm ist auf eine kindgerechte, ganzheitliche Entwicklung ausgelegt", erklärt Monika Synoracki. "Es geht um Rhythmus und Bewegung. Spielerisch werden Musikalität und Motorik, Sprache und soziale Kompetenz geschult. Noch bevor die Kinder in den Kindergarten gehen, schließen sie hier erste soziale Kontakte", sagt die Kursleiterin. Der Kursus gebe aber auch Anregungen für gemeinsames Spielen daheim.

Einen unschätzbaren Wert habe so ein Kursus, denn "je eher man anfängt, die Kinder zu fördern, desto besser. In diesem Alter haben sie noch keine Berührungsängste". Seit 30 Jahren ist die Kursleiterin in der Frühförderung aktiv. "Es ist toll, den Entwicklungsprozess der Kinder zu verfolgen." Die nächste Stufe nach den Musikflöhen ist dann ab vier Jahren die musikalische Früherziehung. Dort lernen die Kinder die ganze Palette der Instrumente kennen. Die Wahrscheinlichkeit, im Anschluss ein Instrument lernen zu wollen, ist hoch. Zurzeit zählt die Heiligenhauser Musikschule 532 Schüler, unterrichtet von 17 Lehrern. Die Warteliste ist lang, besonders für die beliebtesten Instrumente Schlagzeug, Gitarre und Geige.

"Das sind natürlich die Instrumente, von denen man am meisten umgeben ist. Oft sind es auch große Persönlichkeiten, die das Interesse wecken, wie zum Beispiel Stargeiger David Garrett, der auch mal Hendrix spielen kann", sagt Christopher Thomas von der Schulleitung. Wer ein Instrument spielen kann, der sucht sich neue Herausforderungen. Der Erfolg des zwölfjährigen Gitarristen Nikola Anicic, der den Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert" gewonnen hat, ist da ein Vorbild. "Das ist für so manchen natürlich ein Ansporn."