WAZ, 24.06.2013

 

Gratulation zur Freundschaft

 

Vor 50 Jahren besiegelten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle die Deutsch-Französische Freundschaft im Élysée Palast. Seitdem bessert sich das Verhältnis zwischen den Nachbarländern stetig. Die Heiligenhauser Musikschule ließ es sich nicht nehmen, dem Élysée-Vertrag zum 50. Geburtstag ein Ständchen zu singen. Von Chansons aus den 60er und 70er Jahren bis hin zu französischen Nachwuchskünstlern wie Zaz – das diesjährige Sommerkonzert vertonte „Freundschaftliche Begegnungen“ oder wie es in französisch heißt „Rencontre amicale“.

Elias Mitropoulous betritt die Bühne. Das Cello ist fast so groß wie er und sein Hemd ein bisschen zu weit für den schlanken Körper. Mit einer unglaublichen Gelassenheit nimmt der Heiligenhauser Nachwuchsmusiker Platz und klemmt sich sein Instrument zwischen die Beine. Elias hat nicht eines der großen Orchester zur Verstärkung im Rücken, nein der „Jugend-musiziert“-Preisträger spielt wie in jedem Jahr allein. Jean-Baptiste Brévals Concerto in F-Dur erklingt und Elias taucht in seine eigene kleine Welt ab. Der Nachwuchsmusiker lässt zwei Stücke lang den Bogen sanft über die Saiten gleiten und verliert sich in jedem einzelnen Ton, dann verlässt er die Bühne wieder – genauso entspannt wie er sie betreten hat.

Das Sommerkonzert der Musikschule erstrahlt in den Tricolorefarben. Bréval war nur der Auftakt. „Im ganzen Programm sind kleine französische Farbtupfer finden“, sagt Musikschulleiter Andreas Dietrich. Wesentlich jünger als die Klänge von Bréval sind die grandes Chansons aus den 1960er und 70er Jahren.

Chanson trifft modernen Jazz

Ein Stück in dem Blasorchester-Medley, oder wohl besser gesagt Potpourri, passt besonders gut zu den metallenen Instrumenten. „Non, je ne regrette rien“ baut sich auf wie ein schwermütiges Sommergewitter, nur im sich schließlich voller Leidenschaft wie ein erfrischender Regenschauer über die Aula zu ergießen. Edith Piafs Klassiker schwingt durch die vollbesetzen Stuhlreihen, wie ein schweres Parfüm durch die engen Gassen von Grasse.

In „Je veux“ vereinen sich schließlich die altbekannten Chanson Klänge mit modernem Jazz. Erneut ist es das Blasorchester, dass sich auf musikalische Pfade ins Nachbarland begibt und dem Zaz-Hit einen ganzen neuen Charakter verleiht. Die französische Sängerin Zaz (gebürtig Isabelle Geffroy) reift mit wenigen Tönen vom erfrischenden Weißwein zum tiefroten Bordeaux. Ganz so wie ein guter Wein.

Kirsten Gnoth